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DER NEUE HEUTIGE

Forum für kritisch-künstlerisches Denken

Ausgabe 2003

Nachhaltigkeit zahlt sich aus. Zahlt aus. /red2005

Editorial

Vom Wesen des Neuen Heutigen

"Der Neue Heutige" hat seine Wurzeln in der Zeitschrift "Der Heutige", die in den Jahren 1995 und 1996 in einer kleinen Auflage realisiert wurde. Im Zeitalter der Technologien stehen neue Möglickkeiten zur Verfügung, um Kommunikation zu betreiben - das haben auch die Macher des Heutigen bemerkt, doch der nötige Enthusiasmus und der Wille zur Kritik und Veränderung unserer Umwelt haben sich seither gelegt. Doch Kritik und neue Denkansätze sind nötig, wenn wir uns in der Welt umschauen und deshalb will BlackBox "Dem Neuen Heutigen" eine Plattform bereitstellen, um eifrigen Schreiberlingen die Möglichkeit zu bieten, in einer ernstgenommenen Umgebung Beiträge zu publizieren. Die Themen sind weitgefächert - Poesie, Kunst, Politik, Gesellschaft, Essay, etc.

Der Neue Heutige lebt von den Geschichten, Ueberlegungen und Visionen kritisch denkender Menschen die bereit sind, ohne Entgeld, aus eigener Motivation an Texten etc. zu arbeiten um sie hier einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

April2003/fs

Editorial 2

Meine Motivation

Die Heutige Zeit ist durch viele Unsicherheiten im Dasein jedes Einzelnen geprägt, direkt und indirekt. Gemeinsames Faktum ist, dass tagtäglich neue hinzukommen. Vor dem Hintergrund all dieser Unsicherheiten stelle ich mir die Frage: Was ist kritisch-künstlerisches Denken und wo kann dieses Denken positioniert werden?

Etwas vorweg: kritisch-künstlerisches Denken kann nicht dazu beitragen, diese Unsicherheiten aus der Welt zu schaffen. Dieser Anspruch wird auch nicht erhoben. Durch Leserbeiträge können jedoch neue Denkmuster geschaffen werden. So kann etwas an der Einstellung den Unsicherheiten gegenüber geändert werden. Damit wäre unser Ziel schon erreicht. Deshalb hoffe ich, dass sich möglichst viele Leser aktiv an diesem Forum beteiligen.

Was verstehe ich nun unter kritisch-künstlerischem Denken? Es ist meine persönliche Reflexion dem Denken gegenüber, welches mir tagtäglich durch verschiedene Inputs gegeben wird. Es ist Philosophie aus dem Leben. Die persönliche Erfahrung im Leben selber prägt Meinungsbilder, die sich zwar nicht zu rechtfertigen haben, wohl aber selbstkritisch untersucht werden müssen. So wie jeder Künstler seine Werke ausstellen kann, soll im kritisch-küntlerischen Forum vom Der Neue Heutige  jegliche Selbstreflexion präsentiert werden können. Dazu wurde dieses Forum geschaffen.

Dieses Forum kann sich nicht selber positionieren, vielmehr wird es positioniert durch die Beiträge, welche von der Leserschaft kommen. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, keine Leitthemen vorzugeben. Hier soll ein Zeitspiegel entstehen, der Stimmen repräsentiert, die in der heutigen Zeit etwas verlorengehen.

Oktober2003/pt

Philosophische Weisheit

Ich lebe!

Sokrates sagte: "Ich weiss, dass ich nichts weiss."

Descartes sagte: "Ich denke also bin ich."

Was hat das mit meinem Leben zu tun?

Ich weiss es nicht, also denke ich darüber nach.

April2003/pt

Gesponnenes zum Schöpfen

Gedankenfetzen

Ich stehe immer wieder am Anfang von nichts. Ich stehe immer wieder am Anfang von allem. Ich stehe mittendrin, aber eben im nichts, das ist alles. Will ich kreieren, scheitert's daran. Also lasse ich entstehen - und stehe somit am Anfang, bin ich bereits mittendrin. Mein Kopf lastet auf meinem Körper, ich bin im Denken. Der Versuch auszuschalten geht nicht. Ich ergebe mich meinen Gedanken und versuche sie zu spinnen. Ich führe Informationen zusammen und trenne und bewerte sie von neuem. Ist das der Sinn, dann habe ich ihn ergriffen. Ich sammle und ordne und ordne von neuem.

Mai2003/fs

Texte die die Welt nicht braucht

Wesshalb? Desshalb!

Ein Schreibfehler? A priori ja. Doch aus Fehlern entstehen Folgefehler und an diese gewöhnt man sich. Und schon ist das Stichwort gefallen: Gewöhnung. Wesshalb? Weil wir Menschen sind - und somit Gewohnheitstiere. So ist es und nicht anders.

Desshalb!

April2003/pt

Philosophie

Sinn einfacher Sprache

Philosophie heisst sinngemäss übersetzt "Die Liebe zur Weisheit". Sie ist etwas lebensbejahendes und weist das natürliche Verlangen nach Wissen und Erkennen aus. Sie geht zurück zum Anfang dokumentierter Geschichte, wobei sie vorwiegend elitären Intellektuellen die Hand bot. Doch Philosophieren ist grundsätzlich Jeder und Jedem, auch dem einfachen Bürger, nichts fremdes. Sprache und das Niveau von Intellektuellen ist so differenziert, dass ein Normalsterblicher oft nicht folgen kann und deshalb frage ich ganz dilettant: "Wo ist der Nutzen einer Philosophie, die kaum Einer versteht?" Kein Wunder, denke ich mir, der "stimulus intellektus" will sich einen runterholen; wäre der Mensch asexuell, wäre die Welt weniger komplex. Ich für meinen Teil hielte viel davon, wenn das Ziel eines Intellektellen wäre, sich der einfachstmöglichen Sprache zu bedienen und dabei genügend zu differenzieren um nicht missverstanden zu werden.

Juli2003/fs

Umweltreaktionen

Was soll das?

Umwelt (1), der Ausschnitt aus der Umgebung eines Lebewesens, der zu diesem Organismus in Beziehung steht (J. von Uexküll, 1921). Damit ist der Teil der Umgebung gemeint, der von Organismen mit den Sinnesorganen erfasst werden kann (sog. Psychologische Umwelt).

Der Umweltbegriff bezieht sich somit auf die Wahrnehmung eines Organismus, was eine Wahrnehmungsfähigkeit voraussetzt. Welcher Organismus aber ist wahrnehmungsfähig? Ist etwas, das wahrnehmungsfähig ist auch reaktionsfähig? Mit solchen Fragen haben sich bereits Experten befasst, welche in der Lage sind, diese Fragen kategorisch zu beantworten. Also lasse ich es lieber sein, bin ich doch Laie in diesem Umfeld. Das heisst nicht, dass ich meine Umwelt nicht kennen würde. Schliesslich bin ich ja auch ein wahrnehmungsfähiger Organismus, der auf die Umwelt reagiert.

Damit löse ich eine spezifische Interaktion mit meiner eigenen Umwelt aus. Wie sie nun auch definiert sein mag, ich reagiere, also bin ich...Teil der Umwelt. Erster Einwand: muss ein Organismus reaktionsfähig sein um Teil seiner Umwelt zu sein? Einwand zum ersten Einwand: sind wir Teil der Umwelt oder ist nach der einleitenden Definition nicht die Umwelt ein wahrgenommener Teil von uns?

Zum ersten Einwand: wir sind uns der Frage müssig geworden, ob wir überhaupt müssen. Heute steht vielmehr die Freiwilligkeit im Vordergrund, also der freie Wille, der eher durch ein dürfen und wollen charakterisiert ist, als durch müssen. Dürfen oder wollen wir also in unserer persönlichen Umwelt reagieren? Da lautet meine Antwort: ja, sofern wir überhaupt reaktionsfähig sind. Doch dann kommt schon der zweite Einwand (nicht zu verwechseln mit dem Einwand zum ersten Einwand, hat nichts damit zu tun): was ist denn nun Reaktionsfähigkeit? Wenn ich das nur wüsste.

Zum Einwand zum ersten Einwand: das scheint mir als eine Sache der Wahrnehmung zu sein. Die ist somit individuell, was in anderen Worten heisst: je nach Optik ist es so oder eben nicht.

Wie dem auch sei. Je mehr ich über meine Umwelt nachdenke, desto mehr Einwände habe ich. Vielleicht bin ich daher reaktionsfähig, es liegt einfach in meiner Natur. Daher scheint mir das ganze schon schützenswert zu sein, ist es doch von einzigartiger Natur. In diesem Sinne: Es lebe der Umweltschutz! Dies mag eigenwillig sein, aber das ist eben die Natur der Eigenart oder - je nach Wahrnehmung - meine eigenartige Natur.

1: Aus Bertelsmanns Lexikon, Band 14, Gütersloh 1994, s. 337, Definition Umwelt

Dezember2003/pt

 

 

"TEXTE IN DER 4. SPALTE" / ANSCHAUUNGEN UND MEINUNGEN

Bänke weg!

Sauberkeit vor Menschlichkeit

NICHTS IST UMSONST

Schon mal versucht im Berner Hauptbahnhof Platz zu nehmen um gemütlich einen Becher Kaffee zu trinken und dem geschäftigen Treiben zuzusehen?

Nein? Vielleicht weil Ihr nie auf die Idee gekommen seid? Denn wer kommt schon auf die Idee, wenn sich die Möglichkeit nicht einmal bietet?

So war es gesehen und erlebt in der Bahnhofsunterführung in Bern.

Früher gab es Bänke, welche zum Verweilen einluden, sei es für einen Becher Kaffee, für eine Zigarettenpause, für einen Schwatz, für das Lesen der 20 Minuten oder einfach nur um auf den Zug zu warten.

Seit dem letzen Winter ist der Stadt der Begegnungsort zu wider geworden. Die Begegnungen die sich darboten, entsprachen nicht Ihrer Vorstellung: Junkie nebst Spießer, ein Unding. Diese Maßnahmen treffen allerdings nicht nur jene, die dort saßen, sondern auch alle anderen, die dort sitzen möchten, ganz besonders unsere älteren Mitmenschen.

Die Art und Weise Probleme zu lösen hat einen Name:

Bänke weg!

Denn aus den Augen scheint manchmal auch aus dem Sinn zu sein.

Parallelen zeigen sich auch, auf anderen Ebenen des öffentlichen Lebens.

Schwule: Bänke weg

Junkies: Bänke weg

Lesben: Bänke weg

Behinderte: Bänke weg (und Rampen)

Nutten: Bänke weg

Asylanten: Bänke weg

Kulturelle Ausländer: Bänke weg

Velofahrer: Bänke weg

Demonstranten: Bänke weg

Alkoholiker: Bänke weg

Gesindel: Bänke weg

Randständige welche den Staat Geld kosten: Bänke weg

Das Prinzip ist immer das Gleiche, es gibt nichts umsonst in unserer hochgepriesenen Marktwirtschaft und insofern dürfen nur Steuerzahler auf öffentlichen Gütern ruhen.

Ein Leben außerhalb der Norm liegt nicht im Ermessen des Gönners, bzw. des Otto-Normalverbrauchers. Diese Missgunst gegenüber anderen Lebensformen zeigt sich auch beim Thema Wohnen. Wer wohnen will der soll auch dafür bezahlen.

Angenommen, eine Liegenschaft steht seit längere Zeit leer, weil sie abbruchreif ist oder ein Immobilienhändler nur das Grundstück als Geldanlage interessiert. Nun haben sich junge Autonome dazu entschieden eben dieses Haus zu besetzen. Jedoch wird ihnen das unmöglich gemacht. Das Haus steht leer und so soll es auch bleiben. Und wenn nötig wird das Haus unbrauchbar gemacht: sei dies indem die sanitären und elektrische Anlagen demoliert werden, oder indem man jegliche Öffnungen wie Fenster und Türen gegen Eindringlinge hermetisch abgeriegelt.

So steht man da und fragt sich nach der Legitimität einer weiteren UNBEZAHLTEN Nutzung des Gebäudes. Nein!, schreit der Durchschnittsmensch, wenn ich för min Schiessdreck zahle muess, denn die äu! 

Bänke weg!

Sogar den Menschen auf den Fahrrädern, welche durch ihr umweltbewusstes Verhalten versuchen unsere Zukunft zu retten, wird es vergönnt ihre Bewegungsfreiheit voll auszuschöpfen. Die sogenannten Gönner sitzen in ihren klimatisierten Autos und blöken wie eine Herde von Schafen den Velofahrern hinterher, wenn diese durch die Stadt kreuzen und queren wie es ihnen beliebt.

Des Gönners Missgunst gilt jenen auf zwei Rädern, die die außergewöhnliche Freiheit besitzen und sich uneingeschränkt bewegen können.

Bänke weg!

Mittellose Menschen nützen nichts, viel schlimmer noch, sie verursachen Kosten.

Und wecken den Unmut in der Bevölkerung. Sie passen nicht ins Bild der vorherrschenden Meinung der Gesellschaft. Deren Freiräume dürfen die der Bürgerlichen nicht tangieren.

Über den Ursprung von Gunst und Missgunst haben sich bereits Philosophen über mehrere Jahrhunderte hinweg Gedanken gemacht. So stellte schon Hobbes fest: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

In keinem der drei Fälle ergibt sich für den Gönner ein nennenswerter Nutzen. Im Gegenteil: durch das Beseitigen der Bänke, das Räumen von Häusern und das sich neidvolle Echauffieren, entstehen nur Zeitverlust, Mehrkosten und Aggressionen.

Wie langweilig muss des Gönners Leben sein, dass er sich dauernd in das Leben Anderer einmischen muss. Wie langweilig muss des Gönners Leben sein, dass es ihm soviel Freude bereitet, den Mitmenschen Steine in den Weg zu legen. Wie langweilig muss des Gönners Leben sein, dass er den Anderen vorschreiben muss, wie deren Leben zu gestalten ist.

Weil er neidvoll auf das blickt, was er nie haben wird: Freiheit

In diesem Sinne: Mehr Bänke!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Juli2003/kh&a

Zur Energie

Die Atomlobby wird die Macht nicht ewig wahren können

Auch ohne die Zustimmung des Volkes zu den Atom-Ausstiegs-Initiativen ist ein nachhaltiges Bewusstsein unserer Gesellschaft für die kommenden Generationen nötig, um die Chancen für Leben auf der Erde zu erhalten.

Auch ohne ein Ja zu Strom ohne Atom gibt es einen Markt und eine Forschung für Geräte mit effizientem Stromverbrauch. Auch kann die Effizienz heutiger Wasserkraftwerke und der alternativen Energieförderung verbessert werden und letztere können ihren Anteil am Strommarkt trotzdem merklich erhöhen.

Die Atomkraft ist langfristig nicht konkurrenzfähig, das werden auch deren Betreiber feststellen, und so hoffe ich, wollen sich diese ihren Strommarktanteil erhalten, die kleveren Unternehmer investieren in eine nachhaltige zukunftsträchtige Energiegewinnung.

Und da wir gerade bei der Energie sind: Lange kann es nicht zugehen, es kommt die Zeit, wo es der Oel- und Autolobby nicht mehr möglich sein wird, die Entwicklung im Bereich des Motors zu verhindern, Solarmobile, Hybridfahrzeuge und Elektromobile erhalten langsam Einzug.

Mai2003/fs

Im Zeitalter des medialen Krieges

Massenkommunikation als Gefahr - Medien bestimmen unser Weltbild

Ein Aspekt der globaliserten Welt zeigt sich in den Medien. Weltweit wird über den gleichen Krieg berichtet und wenn möglich mit den spektakulären Bildern der Angst, Furcht, der Verstümmelung von Menschen und der Anzahl der Toten, die der Krieg bringt, dokumentiert. Diesen Informationen kann man sich nicht entziehen, die Nachrichten sind eine Pflichtlektüre geworden. Doch was genau soll man mit solchen Informationen anfangen? Beten? "Auge um Auge, Zahn um Zahn", das lernen uns die genialen Politiker, die genügend Machtgeil sind, um Unschuldigen das Leben zu zerstören, um ihre Ernsthaftigkeit zu huldigen, wenn es darum geht, die eigenen Interessen zu vertreten.

April2003/fs

Energiepolitik der Zukunft

Ohne Innovation wird's nichts

Die Energiegewinnung durch die Kernspaltung hat ihren Dienst getan. Die tausendjährige Belastung unserer Umwelt durch die konzentrierte Radioaktivität kann keine Investition für die Zukunft sein. Im Zeitalter der Innovationen ist es nötig, die Forschung politisch zu leiten, die staatlichen Gelder sollen Erfindungen für erneuerbare Energien fördern und die Wirtschaft soll sich neuorientieren. Das Vorhaben ist keineswegs ein linkes Experiment, wie es die Freisinnigen auslegen, sondern ein Engagement für die nachhaltige Energiepolitik, die die Natürlichkeit der Erde garantiert.

April2003/fs

 

 

 

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